Feierlichkeiten zur Verselbständigung

Unter Posaunenklängen und Glockengeläut zogen die in ihre prächtigen Trachten gekleideten Mitglieder der örtlichen Vereine mit ihren farbenfrohen Fahnen am 9. Februar in die Christophoruskirche ein. Wenn die Zornedinger Vereine ihre Festtagsgewänder aufbieten, gilt es meist etwas besonderes zu feiern. So auch diesmal. Pfarrer Groß hatte zum großen Festgottesdienst mit Regionalbischöfin Breit-Keßler anlässlich der Verselbständigung unserer Kirchengemeinde eingeladen. Nicht nur viele kirchliche Würdenträger kamen, um mitzufeiern, auch Politik und Gesellschaft waren geladen und zahlreich erschienen, allen voran Landrat Fauth und Bürgermeister Pfluger sowie einige Zornedinger Gemeinderäte.

Viele Gemeindemitglieder aus der Petrigemeinde Baldham freuten sich mit den Zornedingern über die neu gewonnene Selbständigkeit. Die Verbundenheit mit der ehemaligen Muttergemeinde bleibt also erhalten und wird auch im fortgeführten Kanzeltausch der Pfarrer ihren Ausdruck finden. Gleichwohl konnten alle Beteiligten feststellen, dass auf Grund der vorhandenen Infrastruktur in beiden Gemeindeteilen und des gewachsenen Gemeindelebens jede Seite von der Selbständigkeit profitiert.

So wurde das lebendige Zornedinger Gemeindeleben schon bei der Vorbereitung der Feierlichkeiten spürbar, wo viele Gemeindemitglieder nach Kräften zum Gelingen beitrugen. Als besonders belebendes Element des Gottesdienstes wurde die Mitwirkung der Kinder mit ihren fröhlichen Liedern empfunden, die ihren Anteil am Gemeindeleben hervorheben konnten. Was wäre die Kirche ohne ihren Nachwuchs? Das Engagement der Kindergottesdiensthelfer und begleitenden Lehrer, die die Kinder zum begeisterten Mitmachen animierten, wurde daher dankbar aufgenommen.

In ihrer Predigt verstand es Regionalbischöfin Breit-Keßler durch ihre engagierte Art und ihre realitätsbezogenen Formulierungen die Zuhörer mitzunehmen in ihre Gedanken. Ausgehend vom Predigttext der Verklärung der Jünger Jesu auf dem Berg veranschaulichte sie die Sehnsucht der Menschen nach Glück. Jeder möchte die glücklichen Momente so festhalten wie die Jünger, die auf dem Verklärungsberg Hütten errichten wollten. Auch das evangelische Gemeindeleben in Zorneding hat mit der Verselbständigung einen glücklichen Höhepunkt erreicht. Die Regionalbischöfin erinnerte aber an die Probleme des Alltags, die einen wieder einholen, auch wenn sie sich im Laufe der Zeit gewandelt haben. So berichtete sie aus den Anfangszeiten der Petrigemeinde in den 60er Jahren, als von einer Gemeinde weit draußen vor den Toren Münchens gesprochen wurde, in der die Christen weite Wege für den Gottesdienstbesuch in Kauf nehmen mussten. Die Zornedinger versammelten sich noch ohne geistlichen Beistand zum Gebet. Frau Breit-Keßler konnte zur allgemeinen Erheiterung den damaligen Antrag verlesen, der die Bitte um Zuteilung eines Diakons oder einer weiblichen "Aushilfskraft" formulierte. Gleichzeitig wurde eine Abendandacht abgelehnt, da die heimkehrenden Männer abends zu müde und die Frauen mit der Zubereitung des Essens beschäftigt seien. Dass sich das Frauenbild doch deutlich gewandelt hat, konnte die Regionalbischöfin an der eigenen Person verdeutlichen. Sie erläuterte der Gemeinde dann am Bild der Jünger auf dem Gipfel die Verantwortung, aber auch die Freiheiten, die mit der Verselbständigung auf die Gemeinde zukommen.

In seinem anschließenden Grußwort bezog sich Landrat Fauth auf die doch sehr kurze Geschichte der Evangelischen im Landkreis und verdeutlichte dies an der eigenen Familiengeschichte. Seine Vorfahren zogen Anfang des 19. Jahrhunderts in den Landkreis und gehörten damit zu den ersten evangelischen Familien. Dass ein "Lutherischer" einmal Landrat werden könnte, wäre damals undenkbar gewesen.

Der Vorsitzende des Kirchenbauvereins Erdmannsdorffer griff diesen schwierigen Stand der evangelischen Christen in einer Anekdote auf, die ihm noch vom alten Bäcker Reicheneder berichtet wurde: die wenigen evangelischen Kinder seien in der Gemeinde ein Ärgernis gewesen - weil sie aus der Schule immer nach Hause durften, wenn der Religionsunterricht anstand. Heute ist das Verhältnis der beiden Konfessionen ein freundschaftliches Miteinander, wie auch Pfarrer Wachinger in seinem Grußwort für die katholische Gemeinde betonte. Bürgermeister Pfluger zeigte sich seiner evangelischen Kirchengemeinde schon immer sehr wohlgesonnen und so konnte sich die Gemeinde auch anlässlich dieses Festtags über eine großzügige Spende freuen. Mit ermutigenden Worten, die Pfarrer Herrmann für die Petrikirche sprach, kann sich die Gemeinde nun auf ihren eigenen Weg machen.

Dieser Weg begann mit einem üppigen Buffet, das viele fleißige Hände in den Gemeindesälen aufgebaut hatten. Das dabei von Vielen gelobte Zusammenwirken aller Kräfte und die allgemeine Zufriedenheit über den gelungenen Festtag sowie die guten Gespräche im Anschluss lassen uns alle dankbar auf diesen wunderbaren Höhepunkt im Gemeindeleben blicken, auch wenn wir - im Sinne der Predigt - wieder in den Alltag zurückkehren müssen.

Karin Ossig